Lotte Reiniger:
Tanz der Schatten
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Lotte Reiniger


„Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ und seine Rezeption in den USA

Obwohl Lotte Reinigers Film „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ als einer der bekanntesten Streifen der Animationsfilmerin gilt (Shandley 2010: 90), hatte er in der US-amerikanischen Kinoszene keine richtige Chance. Die Uraufführung von „Achmed“ fand 1926 in Paris statt, kurz darauf folgte eine Aufführung in Berlin (Shandley 2011: 90). Verschiedene Dokumente belegen, dass Lotte Reiniger und ihr Ehemann Carl Koch vor dieser Premiere in Frankreich bereits versucht hatten, den Film auf den amerikanischen Kinomarkt zu bringen. Ob es zu einer solchen wirklich kam, ist unklar. Es gibt Quellen, die daraufhinweisen, dass es nur wenige Monate nach der Pariser Premiere, also 1926, eine Aufführung in Manhattan gegeben haben soll. So schreibt die Kunstkritikerin Roberta Smith, dass es eine echte Überraschung gewesen sei, dass dieser Film dort gezeigt wurde (Smith 2006). Der Filmhistoriker Robert Shandley geht dagegen davon aus, dass diese Aufführung in Manhattan nie satt gefeunden hatte und der Film tatsächlich erst 1930 nach New York und damit in die USA kam. Erstmals in der amerikanischen Filmszene angekommen, hatte der Film laut Shandley keine richtige Chance. Der wichtigste Faktor dafür war vermutlich das Aufkommen des Tonfilms, bei dem vor allem Walt Disney eine Vorreiterrolle spielte.

Neben Disney, das zu dieser Zeit noch relativ unbekannt war, wandten sich auch die größeren Studios schnell dem Tonfilm zu. Bereits nach kurzer Zeit wollte das Publikum keine Stummfilme mehr sehen, egal wie kunstvoll diese auch gestaltet sein mochten. Die sogenannte Fahle-Mappe im Archiv in Tübingen dokumentiert bis heute die Korrespondenz von Reiniger und ihrem Mann Koch mit Frank Fahle - einem Anwalt in New York, der gute Beziehungen zur Filmszene hatte und daher als Vermittler für das Künstler-Ehepaar diente. Aus den gesammelten Unterlagen wird ersichtlich, dass die Filmstudios, wie beispielsweise 20th Century Fox, grundsätzlich Gefallen am Film „Achmed“ hatten. Gleichzeitig sahen sie jedoch kein Potenzial, diesen Film an die große Masse zu bringen. Er war für sie ein Film, der nur bestimmte Gruppen ansprach - antworteten die großen und kleinen amerikanischen Studios. Fox erklärte sogar, der Film sei eine Art Kuriosität und daher für das amerikanische Publikum ungeeignet (Shandley 2011: 95). Shandley geht zudem sogar so weit zu sagen, dass Lotte Reiniger mit ihrem Werk zu spät dran war. Ihre Kunst wäre sicherlich einige Jahre zuvor sehr gut angekommen - auch in den USA. Doch in den späten 1920er und den 1930er Jahren entsprachen ihre Filme nicht mehr dem, was - zumindest das amerikanische - Publikum sehen wollte (Shandley 2012).

Leider sind nicht viele Quellen vorhanden, die die Rezeption des Filmes in den USA dokumentieren, sodass genauere Aussagen darüber nicht möglich sind. Auch Shandley hat bei seinen Recherchen keine weiteren Quellen ausfindig machen können. Somit wäre weitere gründliche Arbeit in den Archiven äußerst spannend.