Lotte Reiniger:
Tanz der Schatten
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Lotte Reiniger


Der Einfluss der chinesischen Schattenspielkunst auf Lotte Reinigers Frühwerk

Charlotte „Lotte“ Reiniger (1899-1981) setzte Maßstäbe im Scherenschnitt, Schattenspiel und Film. Wie sie selbst sagte: „Das verbindende Element dabei ist die Silhouette“ (Quelle: Lotte Reiniger - Mit zaubernden Händen geboren, Hrsg.: Evamarie Blattner, Karlheinz Wiegman, 2010 Ernst Wasmuth Verlag Tübingen, S.4 Z.18). Schon seit ihrer Kindheit war sie beeindruckt vom chinesischen Schattenspiel. „Schon als Schülerin fertigte sie ihre ersten Silhouetten im Rahmen einer Schulaufführung an.“ (Lotte Reiniger - Mit zaubernden Händen geboren, Hrsg.: Evamarie Blattner, Karlheinz Wiegman, 2010 Ernst Wasmuth Verlag Tübingen, S.4 Z.2-4) Diese Leidenschaft brachte sie dazu, eigene Schattenspiele herzustellen. Dabei ließ sie sich von traditionellen Darstellungsformen inspirieren.

Die Wurzeln des Schattentheaters liegen im fernen Osten. Die ältesten Überlieferungen stammen aus China und sind auf das Jahr 121 v. Chr. datiert. Im 11. Jahrhundert untermalten chinesische Geschichtenerzähler ihre Märchen und Erzählungen mit Spielfiguren aus Papier. Lotte Reiniger entwickelte aus dieser Tradition heraus ihre eigenen Werke. Dabei wurde sie insbesondere von den Ländern beeinflusst, in denen das Schattenspiel eine große Bedeutung hatte. „Als bestimmende Einflüsse nennt sie (Lotte Reiniger) (...) die Profilkunst der altägyptischen Künstler und deren Werke, die ihr auf einer Ägyptenreise begegneten.“ (Lotte Reiniger - Silhouettenfilm und Schattentheater, 2.Juni - 17.August 1979 Ausstellung des Puppentheatermuseums im Münchner Stadtmuseum, Verlag: Karl M. Lipp Verlag München, S.38 Z.16 ff (Leihgabe von Alfred Happ)?) „(...) außerdem übernahm sie die Spieltechnik der südeuropäisch, nordasiatischen Schattenspiele.“ (Lotte Reiniger - Mit zaubernden Händen geboren, Hrsg.: Evamarie Blattner, Karlheinz Wiegman, 2010 Ernst Wasmuth Verlag Tübingen, S.4 Z.25 ff) Besonders ihre ersten Silhouettenfilme erinnern thematisch und optisch an das chinesische Schattenkunsttheater- wie 1921 „Der fliegende Koffer“, 1923 bis 1926 die Geschichte des „Prinzen Achmed“ mit chinesische Tallandschaftsszenen und 1928 „Der scheintote Chinese“ (Lotte Reiniger - Silhouettenfilm und Schattentheater, 2.Juni - 17.August 1979 Ausstellung des Puppentheatermuseums im Münchner Stadtmuseum, Verlag: Karl M. Lipp Verlag München, S.6-11).

Die chinesischen Puppen besaßen ihren Charakteren entsprechend besondere Gesichtsmerkmale. So hatten zum Beispiel böse Figuren eine Beule auf der Stirn und eine knollenförmige Nase. Dieses Äußere ist auch bei der Hexe in der „Geschichte des Prinz Achmeds“ wieder zu finden. Edle und gebildete Männer wurden in den chinesischen Darstellungen mit einem femininen Antlitz gezeigt. Dieses Merkmal findet sich auch bei der Figur des „Weisen“ in Reinigers Werk „Der fliegende Koffer“ wieder. Zudem griff sie die typischen imposanten Bartformen auf, die im traditionellen chinesischen Schattentheater von hochgestellten Persönlichkeiten getragen wurden. Der Kaiser im „fliegenden Koffer“ trägt beispielsweise einen markanten spitz gedrehten Backenbart und einen kurzen Spitzbart. Wiederkehrende Elemente des chinesischen Schattenspiels waren außerdem Tiere. Sie hatten eine große Bedeutung und wurden häufig gezeigt. Auch bei Lotte Reiniger tauchen immer wieder Tiersilhouetten auf. Vermutlich beeinflusste auch Reinigers persönliche Affinität zu Tieren diese Tendenz der Darstellung: „Für Lotte spielten Tiere eine besondere Rolle. Sie schnitt zum Beispiel gerne Katzensilhouetten, weil sie diese besonders gerne mochte.“( Originalton aus Interview mit Familie Happ für die Filmarbeiten „Tanz der Schatten - Pionierin des Animationsfilms Lotte Reiniger“, Dezember 2011). In ihren frühen Filmen griff Lotte Reiniger insgesamt besonders thematische und optisch traditionelle Merkmale chinesischer Schattenpuppen für ihre Silhouetten auf. In ihren späteren Werken bildete sie zunehmend die europäische Kultur ab, wie beispielsweise thematisch bei den Märchen oder optisch in den Figurenformen und Szenerien.

Nyamjargal Ganbold