Lotte Reiniger:
Tanz der Schatten
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Lotte Reiniger


Lotte Reiniger - Das Leben einer Künstlerin

Eine deutsche Pionierin des Animationsfilms, Scherenschnittkünstlerin, Silhouetten-Animationsfilmerin und Buchillustratorin

Lotte Reiniger hat eine wesentliche Spur in der Filmgeschichte hinterlassen. Die gebürtige „Charlotte“ Reiniger wurde am 2. Juni 1899 in Berlin geboren. Schon als Schülerin interessierte sie sich für Silhouetten und Schattentheater und sehr bald wurde ihr Interesse am künstlerischen Gestalten geweckt. (vgl. htpt://www.lottereiniger.de/ Stand: 12.Januar 2012) Nach eigenen Angaben durchlebte sie eine „außerordentliche glückliche Kindheit“. (Happ 2004:8) Erst in der Zeit des ersten und zweiten Weltkrieges war ihr Leben nicht mehr so unbeschwert und wurde von Schicksalsschlägen geprägt. Dennoch war ihr Leben voller wichtiger Begegnungen mit Künstlern und Menschen, die ihre Art Filme zu machen, voranbrachte und bereicherte.

Während des Ersten Weltkrieges besuchte Lotte Reiniger die Schauspielschule am Deutschen Theater. Dort lernte sie den Schauspieler und Regisseur Paul Wegener kennen. Er sollte eine entscheidende Rolle im Leben der deutschen Künstlerin spielen. 1916 arbeitet sie zum ersten Mal mit ihm zusammen. Sie schnitt ihre ersten Filmsilhouetten für die Zwischentitel des Paul Wegener Films „Rübezahls Hochzeit“. (vgl. htpt://www.lottereiniger.de/ Stand: 12.Januar 2012) 1919 machte er Lotte Reiniger mit einer Gruppe junger Filmenthusiasten bekannt, die am Institut für Kulturforschung gearbeitet hatten. Von Hans Cürlis, dem Leiter dieser Filmwerkstatt, erhielt Lotte Reiniger die Möglichkeit ihren ersten Silhouettenfilm „Das Ornament des verliebten Herzens“ zu produzieren. Hier lernte sie auch den Kunsthistoriker Carl Koch kennen, den sie Ende 1921 heiratete. Er stand ihr künftig bei der Filmarbeit zur Seite. (vgl.Georgen 2009: 5) Von 1923 bis 1926 arbeitet sie zusammen mit ihm in Potsdam an ihrem berühmtesten Werk, das als erster abendfüllender Trickfilm in die Filmgeschichte einging: „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“. (vgl.Schünemann 1999: 5) Im Laufe der 20er und Anfang der 30er Jahre produzierten Lotte Reiniger und Carl Koch am Trickfilmtisch viele weitere Filme, wie unter anderem "Der scheintote Chinese" (1928), "Doktor Dolittle und seine Tiere" (1928) und "Carmen" (1933). Im Jahr 1930 wurde der Tonfilm erfunden und revolutionierte den Filmstil Lotte Reinigers. Zwar blieben ihre Figuren stumm, aber die Musik spielte nun eine entscheidende Rolle. Bei den Filmen „Die Abendteuer des Prinzen Achmed“ und „Doktor Dolittle und seine Tiere“ hatte sie bereits bei der Filmproduktion die Musik mit eingeplant, die dann bei der Filmvorführung live von einem Orchester gespielt wurde: „Davor hatte ich einen Film damit begonnen, die Handlung zu erarbeiten und dann nach der passenden Musik zu suchen. Heute suche ich zuerst nach der Musik und füge dann passende Handlung ein.“. (Happ 2004:36) So geschah es auch mit der Musik von Mozart, die sie so sehr liebte. Im Spätherbst 1930 entstand als ein erster Versuch „Zehn Minuten Mozart“. (Happ 2004:38) Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 kehrte Lotte Reiniger Deutschland den Rücken, weil "mir diese Hitler-Veranstaltung nicht passte und weil ich sehr viele jüdische Freunde hatte, die ich nun nicht mehr Freunde nennen durfte". Im Dezember 1935 reiste sie zusammen mit ihrem Mann nach London und arbeitete dort für die General Post Office Film Unit. Mit Kriegsbeginn folgte Lotte Reiniger ihrem Ehemann nach Rom, wo sie bis 1943 gemeinsam an Filmproduktionen arbeiten. (vgl.htpt://www.lottereiniger.de/ Stand: 12.Januar 2012) Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges kehrte das Ehepaar Reiniger/Koch nach Deutschland zurück. Im Nachkriegs-Berlin wurde Carl Koch zum Aufbau des Berliner Rundfunks geholt und Lotte Reiniger erhielt eine englische Lizenz, um ihr Filmatelier weiter zu betreiben. (Happ 2004: 67). Ab 1952 gestaltete die Scherenschnittkünstlerin eine ganze Reihe von Märchenfilmen. In einem Interview sagte sie: „Ich glaube mehr an Märchen als an Zeitungen“. (vgl.Georgen 2009: 12) Für die Märchenadaption "Das tapfere Schneiderlein" erhielt sie bei der Biennale in Venedig 1955 den Preis "Silver Dolfin" für den besten Kurzfilm. Als ihr Mann im Herbst 1963 starb, erlitt Lotte Reiniger eine Schaffenskrise: „Als ich meinen Mann verloren habe, konnte ich keine Filme mehr machen…“ (Happ 2004:92) Dennoch beschäftigte sie sich weiterhin mit dem Schattentheater und nahm dann irgendwann auch wieder die Schere zur Hand. Anfang der 70er Jahre entstanden rund 140 Scherenschnitte zu den großen Mozartopern „Die Zauberflöte“, „Figaro“, „Don Giovanni“ und „Cosi fan tutte“. (Happ 2004:95). Ende der 70er reiste sie nach Nordamerika, um „Aucassin und Nicolette“ zu machen: „…das war der beste Platz, um künstlerische Filme zu machen. Ich habe dort große Trickfilme kennengelernt. Sie hatten dort einen Tricktisch so perfektioniert, dass ich ihn nicht zu berühren wagte…“ (Happ 2004:98) Trotz der Freuden erschöpften die Reisen die über 70-Jährige. Um sich wieder zu erholen, fuhr Lotte Reiniger im Mai 1980 zu der befreundeten Familie Happ nach Dettenhausen, nicht weit von Tübingen entfernt. (Happ 2004:109) Nur für einige Reisen und Projekte verließ sie das dortige Pfarrhaus. Als sie Mitte Mai 1981 einen schweren Schlaganfall erlitt, war sie halbseitig gelähmt und konnte das Bett nicht mehr verlassen. (Happ 2004:112) Am 19.Juni 1981 starb sie schließlich im Haus der Freunde Happ.

Auch wenn Lotte Reiniger zeit ihres Lebens mit Spielfilm-Regisseuren, wie Georg Wilhelm Pabst und Jean Renoir, zusammengearbeitet hatte und den Globus bereiste, verließ sie nie ihre eigene Welt– die Welt der bewegten Schatten, die so flach und schwarz waren und dennoch so bunt agierten und so tiefe Gefühle vermitteln konnten. (vgl.Georgen 2009: 13)