Lotte Reiniger:
Tanz der Schatten
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Lotte Reiniger


Harry Potter and the Deathly Hallows (I)- Anlehnung an das Schaffen von Lotte Reiniger

Eine Filmsequenzanalyse von „The Tale of the Three Brothers“

1. Eine Einleitung

Auch heute noch ist das Schaffen der Scherenschnittkünstlerin Lotte Reiniger gegenwärtig. In dem Harry-Potter-Film The Deathly Hallows [dt.: Die Heiligtümer des Todes] aus dem Jahr 2010 ist die Schlüsselszene im Stil Lotte Reinigers und des Asiatischen Schattentheaters gehalten. Die dreiminütige animierte Sequenz erzählt die Geschichte dreier Brüder, die einen Pakt mit dem Tod eingehen. The Tale of the Three Brothers [dt.: Das Märchen der drei Brüder] (TC 1:47:06), erklärt die Funktionen der Heiligtümer des Todes, welche gefunden werden müssen, um Voldemort zu vernichten.

Die Heiligtümer bestehen aus dem mächtigsten Zauberstab, dem Stein der Wiederauferstehung und einem Tarnumhang. Das Symbol dieser Heiligtümer ist eine senkrechte Linie (Zauberstab), die einen Kreis (Stein) in der Mitte teilt, welcher wiederum von einem gleichseitigen Dreieck (Tarnumhang) umschlossen ist.

2. Die optische Anlehnung an Reinigers Werk

Die filmische Umsetzung des Märchens von den drei Brüdern oblag dem Regisseur Ben Hibon sowie Framestore, einem britischen Unternehmen für Spezialeffekte. Ben Hibon und Dale Newton, Mitarbeiter bei Framestore und Sequence Supervisor, arbeiteten Hand in Hand. Warner Bros., die Produktionsfirma der Harry-Potter-Filme, hatte vorgeschlagen Das Märchen von den drei Brüdern im Stil Lotte Reinigers zu gestalten (vgl. Newton, 2010). Hibon und Newton entnahmen Reinigers Werk „a certain simplicity and naivety” und gestalteten ihre eigene Sequenz entsprechend „very graphically with bold silhouettes“ (ebd.). Zusätzlich bedienten sich Hibon und Newton, ebenso wie Reiniger, der Effekte des Asiatischen Schattentheaters (vgl. ebd., Hibon, 2011). So war es möglich, die räumliche Ebene im Bild durch verschiedene Schattierungen in Vorder-, Mittel- und Hintergrund aufzuteilen.

Auf der Abbildung lassen sich im Vordergrund drei Figuren sowie Krähen auf Holzpflöcken erkennen. Sie sind tiefschwarz und konturenscharf dargestellt, was mit dem geschärften Blick auf ein nahes Objekt vergleichbar ist. Der Baum am linken Bildrand ist im Mittelgrund – sein Schwarzton besitzt nicht dieselbe Intensität wie der der Figuren im Vordergrund. Diese räumliche Tiefe und das Verblassen Richtung Hintergrund wird auch als Tiefenschärfe bezeichnet. Beim Asiatischen Schattentheater wird dieser Effekt erzielt, indem die Gegenstände von der Projektionsfläche weg in Richtung Lichtquelle bewegt werden. Somit werden ihre Schatten blasser und unschärfer. Durch weitere feine Ausdifferenzierungen der Schattenintensität lässt sich der Hintergrund sogar in mehrere Ebenen unterteilen. So befindet sich beispielsweise der Baum auf der rechten Seite im Bild noch weiter vorn als der etwas blassere Wald dahinter. Die Sonne in der Mitte des Bildes ist vergleichbar mit der Lichtquelle beim Asiatischen Schattentheater. Dort wurde offenes Feuer benutzt, was zu einem flackernden Licht und einer beigen Hintergrundfarbe führte. Das Arbeiten mit verschiedenen Schwarztönen und damit räumlichen Ebenen, der beige Farbton und das flackernde Licht wurden in der Sequenz The Tale of the Three Brothers nachempfunden. Darüber hinaus wurden die Schattendarstellungen durch die digitale Produktion perfektioniert. Zum einen wirken die Figuren dreidimensionaler, zum anderen ist die Stofflichkeit, wie beispielsweise jene von Kleidungstücken, viel feiner herausgearbeitet. Der Mantel der Figur des Todes erscheint aus lichtdurchlässigem dünnem Stoff. Seine Bewegungen sind permanent und fließend und lassen den Mantel umherwehen. Allein mit der Stop-Motion-Technik Reinigers wäre das so nicht möglich gewesen. Dennoch ist Reinigers Stil in jedem Bild an den sauberen, detailreichen Konturen, so zum Beispiel bei den Händen des Todes oder den Füßen der Krähen, gut zu erkennen.

Weder Reiniger noch dem Schattentheater entnommen ist allerdings die Darstellung des Tarnumhangs des Bruders. Aus technischen Gründen hätte dieser Umhang keinen derart starken Kontrast zu der Figur und dem Hintergrund gleichzeitig bilden können, was ihn zum Ausdruck der zeitgemäßen digitalen Technik macht. Er leuchtet und glitzert und scheint fast durchsichtig zu sein. Zeitlos hingegen ist der Grund, aus dem auch noch heute Silhouettenfiguren verwendet werden: „The shapes and motions can be very enigmatic and leave a lot of scope for invention, experimentation and interpretation. […] [A shadow play] can take one’s imagination beyond what’s actually on the screen. What you don’t see is as important as what you see” (Hibon, 2011).

3. Die inhaltliche Anlehnung an traditionelle Märchen

Das Märchen von den drei Brüdern erschien in dem 2008 ebenfalls von Joanne K. Rowling veröffentlichten Buch The Tales of Beedle the Bard [dt.: Die Märchen von Beedle dem Barden]. Es ist inhaltlich und strukturell an traditionelle Märchen angelehnt (Rowling, 2008: xi). Innerhalb der Harry-Potter-Saga, die sich auf dieses Buch bezieht, heißt es, dass die Märchensammlung im 15. Jahrhundert von Beedle erstellt worden und bis heute in der Zauberwelt ein beliebtes Kinderbuch sei (ebd.: xiii).

Auch Hibon (2011) gab an, die Umsetzung des Märchens der drei Brüder sei „reminiscent of the timeless Grimms’ fairy tales, which I found particularly relevant for [Newton and me]. Although they are labeled as ‘children’s tales,’ they often tell stories of dark kingdoms and sinister characters. We wanted the audience to experience the story as if through the imagination of a young child.”

3.1. Handlung und Ideologie

Das Märchen von den drei Brüdern besitzt die traditionellen Eigenschaften eines europäischen Märchens (vgl. Lüthi, 1947: 13): Es beginnt mit „There were once […]“ [dt.: Es war einmal] (Deathly Hallows, 2010), Zeitpunkt und Ort des Geschehens sind nicht genau definiert und selbst die Namen der Protagonisten werden nicht genannt. Auch die Handlung folgt einem typischen Schema: In der Anfangssituation stehen die Protagonisten einer scheinbar nicht zu überwindenden Schwierigkeit gegenüber. Es folgt der Weg der Helden durch eine Probe mit Hilfe eines Zaubermittels. Am Ende erfolgt die Überwindung der Schwierigkeit und das Bestehen der Probe – das Gute siegt, das Böse wird bestraft. In dem Märchen von den drei Brüdern werden die Schlüsselmomente, die eine Wendung der Handlung herbeiführen, invertiert dargestellt. Das bedeutet, dass hier nicht schwarze Figuren auf beige-flackerndem Hintergrund zu sehen sind, sondern helle Figuren auf dunklem Grund. Dieses Stilmittel der Inversion spielte in Reinigers Werken keine solch sinntragende Rolle. Sie verwendete diese Technik bloß, um die Zwischentitel darzustellen, also um Sinneinheiten voneinander abzugrenzen, wie beispielsweise in ihrem Film Prinz Achmed aus dem Jahr 1926.

Die Anfangsszene des Märchens von den drei Brüdern, in der das Problem etabliert wird, ist folglich eine Schlüsselszene und somit invertiert dargestellt: Die drei Brüder sind ohne Brücke nicht dazu in der Lage, einen Fluss zu überqueren. Deshalb benutzen sie ihre Zauberkräfte. Dabei demonstrieren sie, dass sie mächtiger sind als normale Menschen – und in diesem Fall auch mächtiger als der Tod. Menschen ohne Zauberkräfte wären nämlich in dem Fluss ertrunken. Da der Tod aber nicht auf Zauberer vorbereitet war, gelingt es den Brüdern, ihn an dieser Stelle zu überlisten. Das Blatt wendet sich jedoch.

Der Tod erlangt die Kontrolle zurück, indem er jedem der Brüder ein Geschenk verspricht. Anhand der Wünsche der Brüder wird deutlich, dass sie den Menschen zwar mit ihren Zauberkräften überlegen aber in ihrer Gefühlswelt gleichgestellt sind. Die drei Geschenke, die der Tod den Brüdern übergibt, werden zunächst invertiert gezeigt, bevor sie die Brüder erhalten. Diese Farbumkehrung zeigt die gesonderte Bedeutung der Gegenstände für den Fortlauf der Sequenz.

Die beiden älteren Brüder werden für ihre Unüberlegtheit mit dem vorzeitigen Tod bestraft – in beiden Todesszenen sind wiederum invertierte Elemente enthalten: beim Ältesten das weiße Blut und die erloschene Kerze, beim Mittleren das helle Gewand der Verlobten. Der jüngste Bruder wird hingegen für seine Bescheidenheit und Weitsicht mit einem langen Leben belohnt. Für ihn spielt der Tarnumhang die Schlüsselrolle, weshalb dieser die gesamte Zeit über invertiert, also hell, dargestellt wird. Am Ende seines Lebens muss aber auch er sterben und somit wird klar: Egal, wie viel Macht und Intelligenz ein Zauberer besitzt, er kann trotzdem niemals die Oberhand über den Tod gewinnen.

Aus moralischer Sicht ähnelt das Märchen von den drei Brüdern den traditionellen Märchen: Das Gute siegt, da der jüngste Bruder seinen Wunsch erfüllt bekommt und sein Leben so lange fortführt, wie er will. Das Böse wird bestraft, indem die beiden älteren Brüder, die nicht so bescheiden sind, vorzeitig ums Leben kommen. Hierbei darf allerdings nicht der Tod mit dem Bösen verwechselt werden. Er muss vielmehr als naturgegebenes Phänomen akzeptiert werden, das am Ende von allem steht und somit mächtiger ist als alle Kräfte, die versuchen, es zu bekämpfen. Die beiden älteren Brüder versuchen sich in ihrem Machttaumel über den Tod und damit über die Natur hinwegzusetzen und scheitern daran. Lediglich der jüngste Bruder begreift die naturgemäßen Grenzen, passt sich der Situation an und flieht unter den Tarnumhang.

3.2. Die Figuren

„Their designs are reminiscent of handcrafted wooden puppets; their gestures are limited to basic articulation. The crude feel of the animation accentuates the characters’ theatrical performances, the simple outlines drawing our attention to the smallest of details — each subtle hand movement, each head motion gets interpreted as another nuance of human emotion” (Hibon, 2011). Diese Beschreibung trifft gleichermaßen auf die von Hibon und die von Reiniger umgesetzten Figuren zu und geht auf die Eigenschaften von Schattendarstellungen zurück. Durch die größeren technischen Möglichkeiten gelingt es Hibon, einige Defizite dieser Darstellungsart zu umgehen. So baut er seine Figuren nicht nur – wie Reiniger es zum Teil tat – dreidimensional in den Raum ein, sondern versieht sie zusätzlich noch mit Schatten, was eine größere Präsenz bewirkt. Auch den Körpern der Figuren verleiht er Dreidimensionalität. Auf diese Weise ist es einfacher, Kamerafahrten und Perspektivwechsel zu realisieren, die bei Reiniger kaum vorkommen. Im Gegensatz zu ihr zeigt Hibon seine Figuren auch nicht hauptsächlich im Profil, sondern gleichermaßen frontal. Durch leichte Farbabstufungen gelingt es ihm, ihnen eine Mimik zu geben und andere Details ihrer Körper darzustellen. Auch die Bewegungen der Körper sind bei Hibon fließender und realistischer.

Die Figuren der Brüder treten zunächst als Einheit auf. Bis ihnen der Tod sein Angebot unterbreitet, werden sie stets gemeinsam im Bild gezeigt. Ihre räumliche Anordnung korreliert mit ihrem Alter. Der Erste steht weiter vorn als die beiden anderen, sodass er größer wirkt, was in dieser einfachen Symbolik auf das höchste Alter schließen lässt. Der Jüngste steht ganz hinten, sodass er am kleinsten scheint. Ab dem Moment, in dem der Tod auftaucht, rücken die Brüder durch eine Kamerafahrt immer weiter auseinander. Von da an sind sie nur noch einzeln im Bild zu sehen bzw. voneinander abgewandt. Letztendlich verfolgen sie nicht einmal mehr dasselbe Ziel, sondern gehen, geleitet von den Gaben des Todes, getrennte Wege. Damit durchbricht der Tod die Einheit, Vollkommenheit und Stärke des Dreigespanns. Jeder der Brüder ist mit dem Erhalt seines Geschenks primär mit dem Tod verbunden, alle anderen Beziehungen treten im Angesicht dieser Übermacht automatisch in den Hintergrund und werden von ihr überschattet.

Auch das Verhältnis von Erzählzeit und erzählter Zeit kann in Zusammenhang mit der Macht des Todes betrachtet werden. So wird jedes Zusammentreffen mit dem Tod in Echtzeit erzählt, alle anderen Begebenheiten werden zeitlich gerafft oder übersprungen. So wird das anfängliche Treffen mit dem Tod in 96 Sekunden dargestellt, während die gesamte Lebensgeschichte der einzelnen Brüder beim Ältesten in nur 30 Sekunden, beim Mittleren in 28 und beim Jüngsten in 22 Sekunden erzählt wird. Interessant ist dabei das Verhältnis von Szenenlänge und Lebensdauer: Der Bruder, der am kürzesten lebt, bekommt die meiste Erzählzeit zugesprochen und umgekehrt. Auf diese Weise wird der Fehler des ersten Bruders, welcher der gravierendste ist und am schnellsten zum Tod führt, noch stärker gewichtet.

Sämtliche Charaktere in der Sequenz sind eindimensional dargestellt und kaum elaboriert. Jeder von ihnen verfolgt ein klares Ziel: Der älteste Bruder kämpft um den Sieg, der zweite um die Liebe und der dritte will einzig leben.

The Oldest

Der älteste Bruder fällt durch seine Kampfeslust auf, er will stark und mächtig sein. Er besitzt die Statur eines Kriegers – seine Schultern sind breit, die Taille schmal. Auch sonst zeichnet sich seine Gestalt durch Maskulinität aus: Er hat ein hervorstehendes, markantes Kinn, eine fliehende Stirn und sein Kopf ist kahl. Sein Gang ist aufrecht und er scheint sich permanent in Angriffs- bzw. Verteidigungshaltung zu befinden. Mit ausladenden Bewegungen betont er seinen muskulösen Oberkörper.

Der Älteste will sich an einem Zauberer rächen, mit dem er einst stritt, und wünscht sich deshalb „a wand more powerful than any in existence“ (Deathly Hallows, 2010). Der Tod gibt ihm einen Zauberstab aus Holunder. Für die alten europäischen Völker galt der Holunderbaum als Schnittstelle zwischen Leben und Tod – die Lebenden vergruben Opfergaben wie auch alles Unheilbringende, beispielsweise Verbände von Kranken, unter Holunderbäumen, um Unheil in das Unterreich zu bannen und die Lebewesen auf der Erde zu schützen (vgl. Knauss, 2006: 50ff.). Der Zauberstab aus Holunder ist ein Instrument des Todes, denn sein Besitzer entscheidet über Leben und Sterben.

Der älteste Bruder tötet mit diesem Zauberstab den verfeindeten Zauberer. Damit stellt er sich mit dem Tod gleich und demütigt ihn auf diese Weise. Hinzukommt, dass „drunk with the power that the elder wand had given him he bragged of his invincibility” (Deathly Hallows, 2010). Der erste Bruder wird in seiner Einzelszene stets aus einer extremen Untersicht sowie mit einer amerikanischen Einstellung und einem riesigen, seine Statur optisch vergrößernden Schatten im Hintergrund dargestellt, was seine Überlegenheit demonstrieren soll. Der Verlauf der Geschichte zeigt, dass er zwar stark ist, aber auch übermütig, egoistisch und unüberlegt. Diese Charakterschwächen bringen ihm den Tod. Seine Kehle wird im Schlaf von einem anderen Zauberer durchschnitten „and so death took the first brother for his own“ (ebd.).

The Second One

Der mittlere Bruder ist kleiner und schmächtiger als der erste. Er besitzt ein spitzes Kinn und eine fordernde Körperhaltung. Das Verlangen nach dem Geschenk des Todes ist bereits an den gierigen Bewegungen seiner feinen Hände erkennbar. Sein äußerer Aufzug kennzeichnet ihn als Dichter und Denker: Die Haare sind eitel zurechtgemacht, die Kleidung ist verspielt, der Kragen aufgestellt, die üppigen Ärmel aus Spitze.

Der zweite Bruder will seine verstorbene Verlobte wieder zum Leben erwecken und verlangt „the power to recall loved ones from the grave“ (ebd.). Er erhält einen Stein vom Grund des Flusses, welcher seine Geliebte nach dreimaligem Drehen auferstehen lässt. Bei diesem Vorgang wird er stets aus einer leichten Untersicht und in der Totalen in einem überdimensionalen Raum gezeigt. Sein Schatten ist meist nach unten orientiert. Kameraperspektive und -einstellungen stellen sein Überlegenheitsgefühl der tatsächlichen Situation gegenüber, mit der er überfordert ist und der er schließlich unterliegt.

Der mittlere Bruder macht einen intellektuellen Eindruck, wirkt aber gleichzeitig narzisstisch, arrogant und ignorant. Er denkt, er kann den Tod überlisten und dessen Schaffen rückgängig machen. „The second one wanted to humiliate death even further“ (ebd.) [mehr als der erste Bruder] – das wird ihm zum Verhängnis. Seine Geliebte kehrt zwar wieder von den Toten zurück, treibt ihn aber in den Selbstmord, da ihre Seele leblos bleibt. „And so death took the second brother“ (ebd.).

The Third Brother

Der jüngste Bruder ist eine eher unscheinbare Person. Er trägt einen einfachen Umhang, eine unauffällige Frisur und zeichnet sich durch einen gebückten Gang und demütige Gesten aus. In seiner Einzelszene wird er auf Augenhöhe, ohne Schatten und in der Halbtotalen gezeigt, was Nähe schafft sowie Reinheit und Aufrichtigkeit symbolisiert.

„This youngest brother knows that taunting Death […] means pitting oneself against a wily enemy who cannot lose” (Rowling, 2008: 94f.). Aus diesem Grund fordert der jüngste Bruder den Tod nicht heraus, sondern „asked for something that would allow him to go forth from that place without being followed by death” (Deathly Hallows, 2010.). Der Tod gibt ihm daraufhin ein Stück seines eigenen Tarnumhangs.

Der Tarnumhang gilt in der Zauberwelt Harry Potters als normaler, wenn auch rarer Gegenstand – jedoch ist der Umhang des Todes der einzige, der seine Wirkung nicht im Laufe der Jahre verliert (Rowling, 2008: 97). Dank seiner Weitsicht kann der jüngste Bruder mit diesem Umhang sein Leben so lange leben, bis er bereit ist freiwillig mit dem Tod zu gehen: „He then greeted death as an old friend and went with him gladly, departing this life as equals” (Deathly Hallows, 2010). Gleichzeitig wird sein Leben posthum in seinem Sohn fortgeführt, welcher zudem noch durch den vererbten Mantel des Todes beschützt wird. Trotz dieses Triumphes über den Tod kommt die Frage auf, ob auch der dritte Bruder an seinem Geschenk scheitert. Schließlich verbringt er sein gesamtes Leben damit, sich unter seinem Umhang vor dem Tod, der explizit nach ihm sucht, zu verstecken. Auf diese Art wird er seiner Eigenschaft als „a humble man“ (ebd.) mehr als gerecht.

Fazit

Das Märchen von den drei Brüdern ist nicht nur optisch durch Lotte Reinigers Werk inspiriert, sondern knüpft auch inhaltlich an ihr Schaffen an. Es reflektiert ihre Liebe zu Märchen ebenso wie ihr Auge für Ästhetik, Details und Präzision. Umso bemerkenswerter ist es, dass Reiniger ihre Ergebnisse ausschließlich mit Schere und Papier erzielte.