Lotte Reiniger:
Tanz der Schatten
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Lotte Reiniger


Lotte Reinigers Einfluss auf gegenwärtige Künstler – Der Animationsfilmer Hannes Rall

Hannes Rall, Jahrgang 1965, ist ein deutscher Illustrator, Comiczeichner sowie Trick- und Animationsfilmer. Er wuchs in Tübingen auf und hörte auf dem Gymnasium das erste Mal von Lotte Reiniger. Die Filmemacherin hatte der Stadt Tübingen ihr gesamtes filmisches Archiv hinterlassen und ist dementsprechend bekannt.

Hannes Rall studierte von 1986 bis 1994 an der Stuttgarter Kunstakademie und danach an der Filmakademie Ludwigsburg. Auch hier stieß er immer wieder auf das Werk Lotte Reinigers. Als er den Film Die Abenteuer des Prinzen Achmed sah, war es endgültig um ihn geschehen. Seitdem ist er eigenen Angaben nach ein großer Bewunderer ihrer Arbeit und baute Elemente und Stile ihres Schaffens in seine eigenen Werke ein (Homepage Rall). So beschreibt Rall seinen Zeichenstil selbst als eine Mischung aus deutschem Expressionismus, zeitgenössischen Einflüssen, wie Comics und Graffiti, und Stilelementen der Arbeit von Lotte Reiniger. Auch wenn Hannes Rall selbst keine Scherenschnitte fertigt, so sind Parallelen zu Reiniger nicht zu übersehen. Seine Zeichnungen sind meist schwarz-weiß gehalten und wirken oft holzschnittartig. Rall setzt in seinen Filmen wie Reiniger stark auf die Bildsprache (Arte, 2010). Eine weitere Parallele zu Reiniger ist, dass er sich ebenso bei seiner Arbeit von bekannten Gedichten, Märchen und Geschichten inspirieren lässt. So hat er 1999 Der Rabe von Edgar Allen Poe und 2003 Der Erlkönig von Johann Wolfgang von Goethe adaptiert und zu diesen Geschichten Kurzfilme animiert. Viele literarische Texte von großen Dichtern und Poeten seien unübertrefflich und böten sich daher an, visualisiert zu werden. Er lege zudem viel Wert darauf, dass die zu erzählende Geschichte bereits an und für sich schon einzigartig ist (Ebd.). Sein aktuellster Film basiert auf dem Märchen Das kalte Herz von Wilhelm Hauff. Mit seinen rund 25 Minuten ist Das kalte Herz somit weitaus länger als seine bisherigen Filme. Über fünf Jahre hat Rall an der Märchen-Adaption gearbeitet. Wie in allen seinen Filmen wurden die Zeichnungen handgefertigt und erst später digital nachbearbeitet (Tagblatt).

Zahlreiche Filme des Trickfilmemachers sind preisgekrönt und liefen auf verschiedenen Festivals. Der Rabe und Der Erlkönig beispielsweise wurden weltweit auf über 100 verschiedenen Ausstellungen und Film-Festivals gezeigt. Einige seiner Filme wurden außerdem mit mehreren nationalen und internationalen Filmpreisen gekrönt, so wie etwa Der Erlkönig mit dem Goldener Reiter auf dem Filmfest Dresden und Der Rabe mit dem Golden Sun Award auf dem CSUN Animation Festival in Los Angeles (Homepage Hannes Rall).

Heute lebt Hannes Rall nur wenige Wochen im Jahr in Tübingen, denn seit 2005 lehrt er als Professor für Trickfilm an der School of Art, Design and Media der Nanyang Technological University in Singapur. Seine Studenten sind einerseits von westlichen Zeichenstilen sowie andererseits von Manga und Pixar beeinflusst. Darum möchte er sie mit seinem Projekt Tradigital Mythmaking: New Asian Design Ideas for Animation dazu bewegen, sich mit den Kunststilen, Mythen und Geschichten ihrer eigenen Kulturtradition auseinander zu setzen, so wie er sich einst mit den Trickfilmwurzeln seines Kulturkreises beschäftigt hat (Ebd., Tradigital Mythmaking). Zurzeit arbeitet er mit seinen Studenten an einem Forschungsprojekt zu Wayang Kulit, dem indonesischen Schattenpuppenspiel. Auch hier ist Lotte Reiniger nicht fern: Dieses Puppenspiel hatte auch sie schon bei ihrer Arbeit beeinflusst (Arte, 2010).