Lotte Reiniger:
Tanz der Schatten
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Lotte Reiniger


Lotte Reiniger, Carl Koch und Jean Renoir- Eine Freundschaft über die Kunst hinaus

Lotte Reiniger und Carl Koch lernten den französischen Filmemacher Jean Renoir und seine damalige Ehefrau Catherine Hessling 1926 anlässlich der Premiere von Die Abenteuer des Prinzen Achmed in Paris kennen. Es liegt nahe, dass sich Renoir für diese Filmpremiere entschied, denn was Reiniger und Renoir künstlerisch vor allem verband, war die Liebe zum Märchenhaften und Phantasievollen. So äußerte sich Renoir zu seinem Schaffen: „Ich kann einfach kein gutes Schauspiel machen, wenn ich nicht dem Märchenhaften einen mehr oder weniger großen Platz einräume“ (Gassen, 1994, S. 25). Die beiden Filmemacher verband die Begeisterung für das Barocke und die Commedia dell´Arte und so entstand 1929 der gemeinsame Film Die Jagd nach dem Glück - eine Symbiose aus Schatten- und Spielfilm. Der Film wurde ursprünglich stumm gedreht, da aber kurz vor der Premiere der Tonfilm eingeführt wurde, synchronisierten Reiniger und Koch den Film nach, womit sie das Publikum aber nicht zu überzeugen vermochten. Er wurde abgesetzt und gilt bis heute als verschollen. (Happ, 2004, S. 33-34)

Im Jahr 1930 besuchten Reiniger und Koch ihren französischen Freund in Fontainebleau. Er schenkte den beiden ein umfassendes Werk über die Commedia dell´Arte und Lotte Reiniger kam das erste Mal mit französischer Barockmusik von Jean-Baptiste Lully und Jean-Philippe Rameau in Berührung. Sie begann unmittelbar barocke Skulpturen zu entwerfen und barocke Architektur zu skizzieren. Der filmtechnisch versierte Carl Koch und der avantgardistische Filmemacher Jean Renoir arbeiten gemeinsam an insgesamt acht Filmen. Zusätzlich schrieb Carl Koch an mehreren Drehbüchern zu Jean Renoirs Filmen. Der französische Filmemacher seinerseits beeinflusste wiederum Filme von Lotte Reiniger, wie etwa der 1931 entstandene Silhouettenfilm Harlekin, zu dem er sie immer wieder beriet, ihr Anregungen gab und sie ermutigte. Der enge Lotte Reiniger-Freund Alfred Happ weiß zu berichten: „Die Figuren Harlekin und Columbine sind nach Vorbildern des Buches, das Renoir ihnen [Reiniger/Koch] geschenkt hatte, geschnitten, und einzelne Landschaftsbilder sind >>reminiscent of Fontainebleau<<“ (Gassen, 1994, S. 28). Auch Renoir drehte einen Harlekinfilm, genau acht Jahre nach Reinigers Film. 1939 entstand sein Spielfilm La Règle Du Jeu unter der engen Mitarbeit von Carl Koch. Alle drei Künstler beriefen sich bei ihrer Inspiration auf Charlie Chaplin, den „Meister aller Meister, de[n] Autor aller Autoren [...]“ (Ebd., S. 30).

Für den Spielfilm La Marseillaise entwarf Lotte Reiniger eigens für Renoir eine Schattenspielsequenz mit dem Namen Le Pont Cassé, zu deutsch Die zerstörte Brücke (Ebd., 1994, S. 44). Dieser Ausdruck war eine Metapher für die unüberbrückbaren Gegensätze zwischen Royalisten und Revolutionären während der französischen Revolution. (Gassen, 1994, S. 44)

Lotte Reiniger nahm dabei Bezug auf das erste Schattentheater Europas, das 1770 von Francois Dominique Seraphin gegründet worden war.

Renoir war aber nicht nur mit Lotte Reiniger befreundet, er bewunderte sie auch zutiefst, wie ein Brief von Carl Koch an seine Frau zeigt: „Jeans Wohnung ist voll von Dir. Die ganzen Achmedbilder, eine Stierkampfarena, Fotos von Dir. Ich war sehr erstaunt darüber. Aber in der Tat: Du bist hier [in Paris] eine der wenigen anerkannten Größen“ (Ebd., S. 41). Die tiefe gegenseitig empfundene Bedeutung und Bewunderung füreinander zeigte sich auch in den vielen liebevoll gestalteten und arrangierten Scherenschnitten, die Lotte Reiniger von sich, Koch, Renoir und seiner Frau Catherine Hessling angefertigt hatte. In den Silhouetten hatte sie gemeinsame Erlebnisse, Dreharbeiten, ausgelassene Zeiten, aber auch Gegensätze und Reibungspunkte des Vierergespanns festgehalten. Sie schenkte diese einzigartigen Momentaufnahmen ihrem Ehemann Carl Koch in einem selbst angefertigten Heft zur ewigen Erinnerung an die gemeinsame Liebe und Freundschaft. (Ebd., S. 65-145).

1940 übernahm das Ehepaar für den von Renoir begonnen Film La Tosca die Regie. Der Zweite Weltkrieg riss die Freunde schließlich geografisch auseinander. Renoir musste noch während der Dreharbeiten zu La Tosca in die USA emigrieren. Lotte Reiniger und ihr Ehemann blieben zunächst in Italien, wo sie La Tosca fertig drehten. Erst 1944 kehrten sie nach Berlin zurück (Ebd., S. 14-19; 21; 25-29). Es ist bekannt, dass Renoir 1949 seinen Freund Carl Koch noch einmal mit in sein Film- Team aufnehmen wollte, um The River, seinen ersten Farbfilm, zu drehen. Doch Carl Kochs damaliger Gesundheitszustand ließ keine aktive Zusammenarbeit mehr zu, einzig das Drehbuch konnte Renoir ihm zur Durchsicht zuschicken. Die filmische Zusammenarbeit war damit beendet. Jedoch hielt die Freundschaft der drei Filmemacher noch über die folgenden Jahrzehnte an, was ein reger Briefwechsel und gegenseitige Besuche bezeugen (Ebd., S. 19).