Lotte Reiniger:
Tanz der Schatten
Trailer Film Entstehung Team Lotte Reiniger Bastelecke Presse Links Impressum




Bastelecke



Wie man einen Scherenschnitt-Film selber macht

Material:
  • Große Schere
  • Kleine Schere (z.B. eine Nagelschere)
  • Schwarzer und weißer Karton
  • Bleistift
  • Kamera
  • Stativ oder ein selbst gebastelter Kamerahalter




  • 1. Das Konzept
    „Ich glaube mehr an die Wahrheiten von Märchen als an die von Zeitungen“ (Reiniger 1988: 320)
    Als aller erstes braucht man eine Idee oder ein Thema. Lotte Reiniger empfiehlt in ihrem Buch Schattentheater, Schattenpuppen, Schattenfilm – Eine Anleitung einfache und fantasievolle Themen die leicht realisierbar sind: „Die besten Themen sind solche, die nicht mit lebenden Schauspielern aufgeführt werden können, also insbesondere Märchen, Sagen, Fabeln, phantastische Gedichte oder Spiele“ (Reiniger 1981: 133).
    Für diese Anleitung soll ein Löwenzahn auf einer Blumenwiese wachsen und ein Schmetterling vorbeifliegen. Anhand dieses Beispiels, kann man gut die Verwandlungen und Bewegungen im Scherenschnittfilm zeigen.
    Zuerst werden die Figuren und der Dekor aufgezeichnet. Diese sollten von der Seite, als Silhouetten, dargestellt werden, denn dies ermöglicht mehr Bewegung und Flexibilität in der Umsetzung. Mit diesem Entwurf kann man sich dann den Film besser vorstellen und die Figuren dementsprechend anfertigen.





    2. Die Figuren und der Dekor
    Die Figuren werden mit dem Bleistift auf schwarze Pappe gemalt und vorsichtig ausgeschnitten.
    Der Dekor soll sich in diesem Film nicht verändern, deswegen muss man nur eine Auffassung ausschneiden. Da sich aber die Figuren (Die Blume und der Schmetterling) bewegen sollen, braucht man verschiedene Teile und unterschiedliche Versionen.





    3. Die Verwandlungen
    Die Verwandlungen entstehen anhand von unterschiedlichen Teilen die langsam ersetzt werden. In diesem Film soll eine Blume wachsen, deshalb werden die Teile immer größer.
    Die Löwenzahnblätter werden durch die Blumenwiese von unten nach oben geschoben und nach und nach mit einem größeren Blatt ersetzt.
    Damit der Löwenzahn blühen kann, benötigt man verschiedene Varianten der Knospe und der Blüte.
    Zuerst eine kleine Knospe, die durch eine immer größere Version ersetzt wird. Unterhalb der Knospe wachsen kleine Blätter (5. Figur auf der Abbildung). Diese Figur kann auch ganz unten als Basisform bleiben und die weitern Versionen einfach darauf gelegt werden. Dann sind die ersten einzelnen Blütenblätter zu sehen, die sich durch die folgenden Figuren immer mehr vermehren bis schließlich eine volle Blüte entsteht.





    4. Die Bewegungen
    Damit sich die Figuren bewegen können, braucht man mehrere Teile von derselben Figur. Bei diesem Beispiel soll ein Schmetterling flattern. Für diese Bewegung braucht man einmal den Schmetterling mit zugeklappten Flügeln und einmal mit offenen Flügeln.
    Am einfachsten ist es, wenn man die Version mit den offenen Flügeln zeichnet und ausschneidet. Dann macht man von dieser Version eine Kopie, indem man den Schmetterling in der Mitte zusammen faltet und die Umrisse auf die Pappe zeichnet und ausschneidet.
    Wenn man diese zwei Versionen immer abwechselnd auf den Tricktisch legt, scheint es, als ob der Schmetterling fliegen würde.





    5. Der Tricktisch
    In ihrem Buch über das Schattentheater beschreibt Lotte Reiniger genau wie ein Tricktisch funktioniert und wie man einen Zuhause bauen kann: „Man nimmt eine […] Schattenfigur […] und legt sie flach auf eine Glasplatte, die mit einem transparenten Pauspapier bedeckt ist. Dann sägt man ein Loch in den Küchentisch, ungefähr in der Größe der Glasplatte (moderne Küchen wollen sowieso keinen Küchentischmehr!), bedeckt das Loch mit der Glasplatte, stellt eine Lampe unter das Loch, knipst die Lampe an und löscht alles andere Licht aus“ (Reiniger 1981: 92).
    Da aber nicht jeder seinen Küchentisch Versägen will, kann man auch einfach ein großes Stück weiße Pappe nehmen und die schwarzen Figuren darauf tanzen lassen.
    Das erste Problem wäre gelöst.
    Aber wie befestigt man eine Kamera, damit sie bewegungslos nach unten fotografiert? „Will man eine Konstruktion für die Kamera aufbauen, muss die erste Überlegung sein, wie die Kamera fest in ihrer Position sitzt, nicht wackelt und nicht erschüttert werden kann, damit das Bild gut steht. Sonst ist ein ordentliches Ergebnis unmöglich“ (Reiniger 93).
    Jetzt heißt es Kreativ sein! Und Reiniger hätte bestimmt nichts dagegen!
    Ein Kamerastativ, wie in diesem Beispiel (obere Abbildung), ist eine gute Lösung. Der schwarze Schal dient dazu, das Licht von dem dahinterliegendem Fenster auszublenden, damit nur eine Lampe von oben die Figuren beleuchtet. Nur eine Lichtquelle (von oben) sollte das Bild beleuchten. Wenn es mehrere Lichtquellen gibt, werfen die Figuren Schatten auf die weiße Pappe.





    6. Die Animation
    „Man muss mit Herz und Seele bei der Sache sein“ (Reiniger 1981: 127)
    Die Figuren zu animieren ist eigentlich ganz einfach, man braucht nur eine Menge Geduld. Das animieren beschreibt Reiniger folgendermaßen: „Man bringt die Figur in die gewünschte Haltung und macht die erste Aufnahme. Dann bewegt man die Figur ein wenig vorwärts und macht wieder eine Aufnahme usw., bis die Figur die beabsichtigte Handlung vollfüllt hat. Beim Betrachten des fertigen Films, hat man den Eindruck, daß die Bewegung von der Figur gewollt sei“ (Reiniger 1981: 92).
    Mit viel Geduld und Zeit bewegt man in kleinen Abständen die Figuren und ersetzt die verschiedenen Versionen einer Figur um Verwandlungen und Bewegungen zu realisieren. Nach jeder kleinen Veränderung macht man eine Aufnahme.
    Da in diesem Beispiel die Lichtquelle von oben kommt, muss man aufpassen, dass man keine Schatten auf den weißen Karton wirft. Wenn die Hand noch nicht ganz von der weißen Oberfläche entfernt ist, bevor man eine Aufnahme macht, sieht man den Schatten und man muss wieder von vorne anfangen.





    7. Der Film
    Nun hat man ganz viele Aufnahmen, aber immer noch keinen Film. In einem Programm (wie zum Beispiel Windows Live Movie Maker –entweder schon auf Windows PCs vorhanden oder kostenlos auf der Windows Website runterladen) werden die Aufnahmen aneinandergereiht und abgespielt.
    Für jedes einzelne Bild, kann man die Dauer (wie lange es zu sehen ist) einstellen. In diesem Beispiel erscheint jedes einzelne Bild für 0.2 Sekunden. So sehen die Bewegungen fließend aus. Wenn die Figur eine Pause macht und keine Bewegung entstehen soll, wie zum Beispiel wenn der Schmetterling auf dem Löwenzahn sitzt, ist die Dauer 1 Sekunde lang.
    Mit der Hilfe des Programms kann man auch Musik in den Film einbinden.



    „Es wird unsere Aufgabe sein, aus den bescheidenen uns gegebenen Mitteln das Bestmögliche herauszuholen, um die Zuschauer vergessen zu machen, daß sie nur arme schwarze Schatten gesehen haben. Es kommt allein darauf an, ob unsere innere Welt Leuchtkraft und Phantasie genug ausströmen vermag, um in den Herzen der Zuschauer den Lichtpunkt zu treffen, der die Wärme des Miterlebens zu erzeugen vermag.“ (Reiniger 1988: 321)

    Fotos: © 2012 Maria Maute