Lotte Reiniger:
Tanz der Schatten
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Lotte Reiniger


Lotte Reiniger und ihr künstlerisches Umfeld in ihrer filmischen Hauptschaffenszeit

Als Lotte Reiniger 17 Jahre alt war, besuchte sie einen Vortrag des damals sehr bekannten Schauspielers Paul Wegener. Wie sie später selbst sagte, war dieser Besuch ein wegweisendes Erlebnis für sie (Happ 2004: 8-11). Dieser Tag und ihre Leidenschaft zum Film ließen sie innerhalb weniger Jahre zu einer einflussreichen Künstlerin und Teil einer internationalen „artistic community“ werden. Insbesondere in ihrer filmischen Hauptschaffensperiode vom Beginn der 1920er bis Anfang der 1930er Jahre konnte sie Kontakte zu anderen wichtigen Künstlern aufbauen. Diese Künstler prägten Lotte Reiniger genauso, wie sie umgekehrt auch die Künstler in ihrem Schaffen beeinflusste.

Noch in demselben Jahr ihrer Begegnung mit Wegener entschied sich die junge Frau eine Schauspielschule in Berlin zu besuchen, wo sie den Schauspieler und Filmemacher bald besser kennen lernen sollte. Während ihrer Lehrzeit wurde Wegener auf Reiniger aufmerksam, als er Scherenschnitte von ihr in die Hände bekam, die sie für Theateraufführungen angefertigt hatte. Fortan engagierte er das „verrückte Silhouettenmädchen“ (Happ 1982: 5), wie er sie einmal genannt haben soll, für viele seiner künstlerisch gestalteten Filmzwischentitel. Bis 1920 arbeiteten beide eng zusammen. Während Reiniger von Wegeners Aufträgen profitierte, zog dieser wiederum Nutzen aus ihrer innovativen Arbeit. Wegener war es auch, der die Silhouettenkünstlerin 1919 am Berliner ‚Institut für Kulturforschung' vorstellte. In dem experimentellen Trickfilmstudio begegnete sie dem wohl für ihr Schaffen entscheidendsten Künstler - ihrem späteren Ehemann Carl Koch. Er sollte schon bald die technische Realisierung fast aller ihrer Filme übernehmen (Letschnig 2006: 7-8; 17).

Im Jahr 1923 bot Louis Hagen, ein Potsdamer Kunstmäzen, Lotte Reiniger und Carl Koch, den sie 1921 geheiratet hatte, die Finanzierung eines abendfüllenden Silhouettenfilms an. So entstand der Film „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ (1926). Das Künstlerehepaar konnte dafür ein eigenes Produktionsteam zusammenstellen und entschied sich für den Avantgardefilmer Walter Ruttmann sowie den Filmschaffenden Berthold Bartosch. Durch Ruttmanns Mitarbeit konnten innovative Wolkenbewegungen und andere dynamische Elemente im Film realisiert werden. Der Filmemacher lernte bei der Zusammenarbeit mit Reiniger, wie Musik und Film eng miteinander verbunden werden können. In seinem späteren Werk „Berlin: Die Sinfonie der Großstadt“ (1927) arbeitet er selbst mit diesem Wechselspiel. Der Filmregisseur Bartosch war bei der Animation des Silhouettenfilms unter anderem für die Wellenbewegungen eines Seesturms verantwortlich (http://deutsches-filminstitut.de/filmverleih/highlights/die-abenteuer-des-prinzen-achmed/ : 26.02.2012). Während die Beziehung zwischen dem Künstlerehepaar und Ruttmann vor allem professionell blieb, entwickelte sich zu Bartosch eine enge persönliche Freundschaft. Nicht nur deshalb folgten weitere Kooperationen mit ihm, beispielsweise in der „Dr. Dolittle“-Trilogie (1928) (Happ 2004: 23-24).

Auch mit Jean Renoir verbanden Reiniger und Koch eine enge Beziehung, seitdem sie ihn auf der Premiere des Trickfilms „Aus Tausend und einer Nacht“ kennen gelernt hatten. Das Ehepaar besuchte den französischen Filmemacher mehrfach in Paris. Bei ihren Treffen wurde so auch die Idee eines gemeinsamen Filmprojektes geboren, die „Jagd nach dem Glück“ (1930). Der Streifen verband Trickfilmelemente, die von Reiniger und Koch hergestellt wurden, mit Realfilmelementen von Renoir. Obwohl das Projekt kein kommerzieller Erfolg wurde, bestand die Freundschaft zwischen Renoir und der Silhouettenkünstlerin fort. (Happ 2004: 33-34)

Berthold Brecht war ebenfalls Teil der Reiniger umfassenden „artistic community“. Ihn hatten Reiniger und Koch bei der Herstellung ihres ersten abendfüllenden Silhouettenfilms über den orientalischen Prinzen Achmed kennen gelernt. Der deutsche Dramatiker schätzte Reinigers Kunst sehr und Koch war ihm ein wichtiger Gesprächspartner. Brecht arrangierte gemeinsam mit dem Ehepaar eine private Vorpremiere für „die Abenteuer des Prinzen Achmed“ und half mit seinen weit reichenden Kontakten zur Presse bei der Vermarktung des Films. Im Jahr 1928 reisten Bartosch, Reiniger, Koch und Brecht gemeinsam ins südfranzösische Bandol. Im engen Gedankenaustausch mit der Silhouettenkünstlerin und ihrem Ehemann vollendete Brecht dort seine „Dreigroschenoper“. Eine direkte künstlerische Kooperation zwischen Reiniger und Brecht hatte es jedoch nicht gegeben (http://www.filmportal.de/person/lotte-reiniger_c94c9327f5cc4ce8ac33debaf05e27e0: 28.02.2012).

Die beruflichen Beziehungen, die Lotte Reiniger pflegte, zeigen, dass sie in der Lage war einflussreiche Spezialisten für gemeinsame Projekte oder den Gedankenaustausch zu gewinnen. Dabei entstanden zusätzlich auch persönliche Freundschaften. Unter anderem war es dieses künstlerische Umfeld, welches maßgeblich für den Erfolg ihrer Kunst gewesen ist.

Lukas Föhr